9 Gründe, warum ich keine Buchhandlungen mehr brauche

Heute ist Nikolaus. Grund genug für einige ambitionierte Kleinbuchhändler, einen Flashmob via Facebook zu organisieren. Das Ziel: Mehr Kunden in die Buchhandlung um die Ecke zu bewegen. Für mich ein Kampf gegen Windmühlen. Und gegen Wind.

Gleich vorneweg: ich bin selbst gelernter Buchhändler. Und ja, ich hatte vor, heute in eine kleine Indie-Buchhandlung zu gehen und mir dort ein Buch zu kaufen. Aber dann kam Xaver. Aber Xaver ist nicht der einzige Grund, der mich vom Buchkauf vor Ort abhielt.

In meiner Stadt gibt es wenig innovative Buchhandlungen. Um ehrlich zu sein kenne ich keine einzige. Ich habe seit meiner Ausbildungszeit folgenden Eindruck: Die Buchbranche zieht insbesondere die an, die es sich gemütlich machen wollen. Und das sind meistens konservative Leisetreter.

Irgendwie passiert in den kleinen und großen Buchhandlungen dieser Nation nicht viel. Mal eine Lesung hier, mal ein E-Book-Reader dort und wow! wir führen jetzt auch Brettspiele. Und das soll helfen? Naja.

Also habe ich mir mal meine Gedanken gemacht: warum kaufen immer weniger Menschen Bücher in Buchhandlungen? Warum kaufe ich immer weniger Bücher in Buchhandlungen? Warum kaufe ich überhaupt weniger Bücher? Klar, ich brauche Thesen!

1. Die vielbeschworene Haptik des Buchs bewegt nur eine Minderheit.

Alteingesessene Buchhändler haben ein Totschlag-Argument gegen den Klassenfeind E-Book: Da fehlt die Haptik. Und wirklich nehme ich gerne ein Buch aus Papier in die Hand. Und ich höre auch immer mal wieder, dass das anderen „Bücherwürmern“ wichtig ist. Aber mal ehrlich: ein guter Teil der Menschen nimmt Lesestoff seltener als einmal aller zwei Wochen in die Hand. Vielleser, also die die meistens auf die Haptik schwören, sind eine Minderheit. Kann man mit denen ein Riesen-Business aufziehen? Wohl kaum.

2. Gedruckte Bücher kosten zu viel.

Klar, jetzt werden viele sagen: 10 Euro in die Bildung zu investieren ist ja wohl kein schlecht angelegtes Geld! Stimmt. Aber vielleicht bekommt man das gleiche Buch auch für 5 Euro als E-Book? Oder man kann es sich, wenn auch illegal, über einen Onlinedienst sogar kostenfrei herunterladen? Ich glaube, dass die meisten Menschen nicht so viel Geld für eine Geschichte in Textform ausgeben möchten. Mittlerweile ist Musik unendlich viel günstiger, Filme und Serien werden auch gerade in Flatrate-Systeme gesteckt und eine unterhaltsame und vielleicht sogar lehrreiche App kostet mich höchstens 4,49 Euro. Und das sind sehr attraktive Medienangebote für Lesefaule und Lesehungrige! Und dann soll ich 10, 20 oder sogar fast 30 Euro für ein Buch ausgeben?! Das soll den Kunden mal einer erklären.

3. Buchhandlungen sind Krämerläden ohne Orientierungsfunktion.

DVDs, Musik-CDs, Spielzeuge, Brettspiele, Räucherstäbchen, Grußkarten, E-Reader, PC-Spiele und und und… Die meisten Buchhandlungen, insbesondere die Filialisten, müsste man ehrlicherweise Medienhandlungen nennen. Und nicht einmal das wäre ein wirklich ehrlicher Begriff. Was als „Warenvielfalt“ angepriesen wird und im Fachjargon „Diversifizierung“ heißt, ist in Wirklichkeit nur eins: der hilflose Versuch, die schwindenen Buchumsätze auszugleichen, in dem man andere, „hippere Produkte“ auf Lager nimmt. In Buchhandlungen stehen mittlerweile zusammenhangslosere Waren als in jedem Supermarkt mit Aktionsware oder in jedem Elektrohandel mit einer Bücher-Ramschkiste. Für den Kunden ist das nicht attraktiv, er weiß die Vielfalt nicht einzuordnen, findet keine Orientierung mehr in der BUCH-Handlung. Und kauft stattdessen lieber bei Amazon, dass in seinem Menü die Waren klar gliedert. Die „Erlebniswelten“ der Filialisten verstehen viele Kunden schlichtweg nicht.

4. Den meisten Menschen fehlt die Zeit und Lust zum Stöbern.

Wenn Buchhandlungen sich damit brüsken, sie würden zum Flanieren einladen (und dabei hoffentlich nicht unter These 3 fallen), haben sie eines noch nicht verstanden: Ihr Kunde muss arbeiten, hat Familie, Hobbys und dann auch noch wieder viel zu viel Zeit auf Facebook vertödelt. Im Laden hat er sein Handy bei sich, das ständig einen neuen Tweet anzeigt, Schlagzeilen von Spiegel Online oder dreizehn Chat-Meldungen von WhatsApp. Dieser Kunde wird bestimmt große Lust haben, mal in Ruhe durch die Bücherregale zu stöbern. Und selbst wenn er sie hat: er findet gar nicht die Zeit dazu, wenn er nicht gerade im Urlaub ist. Stöbern erlaubt man sich in Altstädten und Strandpromenaden – ansonsten will man einfach nur schnell und unkompliziert das eigene Bedürfnis stillen.

5. Buchhandlungen sind selten Marken und stiften keine Identitäten.

Ja, ein paar Buchhandelsmarken kennen wir: Thalia, Hugendubel, Lehmann’s vielleicht noch. Und diese haben auch ein gewisses Image. Womit sie schon einen Vorteil gegenüber geschätzten 95 Prozent der anderen Buchhandlungen in Deutschland haben. Aber mal ehrlich – wer trägt heute noch mit Stolz eine Thalia-Tüte? Niemand braucht diese Marken (mehr) für seine Identität. Niemand möchte sich darin ausdrücken, ein leidenschaftlicher Hugendubel-Fan zu sein. Niemand streitet sich mit wehenden Fahnen darüber, welcher der Filialisten der bessere ist – was bei Cola-Marken durchaus passieren kann. Es fehlen die Anhaltspunkte, warum man sich hinter eine solche Marke stellen sollte. Vielleicht gelingt das manchmal noch der ein oder anderen kleinen inhabergeführten Buchhandlung – aber wie oft ist dort die Beziehung vom Kunde zum Geschäft nicht vielmehr von Mitleid geprägt?

6. Das Ideal der persönlichen Beratung ist nicht zu erfüllen.

Sicherlich, ganz selten klappt’s: Ein Buchhändler empfiehlt ein Buch, baut eine Beziehung zum Kunden auf und dieser kommt wieder, weil er die Expertise des Spezialisten schätzt. Wenn eine solche Kundenbeziehung tatsächlich aufgebaut werden konnte, dauern die Gespräche mit ihnen gerne eine Viertelstunde und länger. In acht Stunden Arbeitszeit könnte ein Buchhändler dann 32 Kunden bedienen – die dann vielleicht jeweils ein Buch für 10 Euro kaufen oder auch nur mal eines für 5 Euro aus der Kinderbuchecke. Bei sechs Tagen in der Woche würde das keine 2000 Euro Umsatz bedeuten, davon bleiben höchstens 1000 Euro für die Buchhandlung nach Bezahlung der Verlagsrechnung. Von denen bezahlt er Miete, Mitarbeiter, Versicherungen und und und… Für den unwahrscheinlichen Fall, dass man eine solche Kundenbasis aufbauen konnte, gilt am Ende trotzdem noch: So kann keine Buchhandlung überleben. Das ist vielen Buchhändlern wohl bewusst oder sie sprechen einfach nicht gerne mit Menschen. Zumindest war ich selten zufrieden mit der „persönlichen Beratung vor Ort“.

7. Buchhandlungen sind weder Shoppingparadiese noch Szeneläden.

Warum gehe ich in ein Geschäft oder Restaurant? Entweder, weil ich dort einen wirklich überzeugenden Rabatt bekomme bzw. preisgünstig gut essen kann. Oder weil ich das Produkt sehr schnell benötige und nicht auf den Paketdienst nach der Onlinebestellung oder das Abendbrot zuhause warten kann. Oder: weil ich weiß, dass ich dort Gleichgesinnte treffe. Weil mich die Stimmung überzeugt. Weil ich mich als Gemeinschaft empfinden kann. Buchhandlungen versuchen sich in Rabattschlachten im Eingangsbereich, leider funktioniert das mit dem „Danach kaufen die Leute bestimmt noch mehr bei uns!“ nicht. Kunden gehen in die Buchhandlung, um schnell noch ein Geschenk zu bekommen – aber meistens muss das Buch dann doch bestellt werden und eine Alternative mag selten überzeugen. Buchhandlungen, die sich als exklusiver Ort verstehen, findet man nur selten. Ein Café in der zweiten Etage und zwei Lesungen im Monat machen noch keinen Szeneladen.

8. Viele Buchhandlungen hüten ihre Bücher wie einen Schatz.

Ich habe es selbst oft erlebt. Buchhändler verkaufen ihre Bücher nicht gern. Sie wollen sie lieber in der Schutzfolie lassen, räumen lieber ihre Warentische auf oder nehmen dem Kunden im Café das Buch wieder weg. Statt den einzigen Vorteil für den Kunden gegenüber der so viel praktischeren Onlinewelt zu nutzen – hier kann ich das Produkt vor dem Kauf testen! – wird ein Ausprobieren versagt. Es könnte ja kaputt gehen. Ich vermute: ein abgeschriebenes Buch, das zu gebraucht zum Verkaufen ist, hat 10 Kunden das gleiche Buch neu kaufen lassen. Diese 10 Kunden bekommt man gewiss nicht, wenn man ihnen ihr Wunschprodukt aus den Händen reißt.

9. Die Konkurrenz ist aktuell unschlagbar.

Es gibt so viele innovative und sehr gut gemachte Medienformen. Games lassen uns viel tiefer in eine Geschichte einsteigen als Bücher. Blogs bieten uns aktuelle Thesen, kurz, informativ und ehrlich aufbereitet. YouTube gibt uns mehr kurzweilige Unterhaltung, als wir je schauen können. Und Musik kostet quasi nichts mehr und ist immer verfügbar. Klassische Printprodukte können hier nicht mitspielen. Mit E-Books geht das schon besser und einige Verlage haben das bereits erkannt: die neue Konkurrenz ist nicht der Bestseller im Regal, sondern die gehypte App auf den Handys. Mit E-Readern können die Buchhandlungen diesen Entwicklungen nicht angemessen entgegen treten. Bei der Schlacht um die Aufmerksamkeit sind sie eigentlich nicht mal mehr dabei.

Fazit: „Ich bleib‘ heut‘ zuhause“

Und während ich diese Thesen geschrieben habe und Sturm Xaver an den Fenstern rüttelt, ist mir eines bewusst geworden. Für mich geht’s auch ohne Buch-Flashmob. Ich kauf‘ mir nachher noch ein E-Book, dass ich von einer Freundin ehrlich empfohlen bekommen habe. Setze mich damit vielleicht noch in mein Lieblingscafé (wofür es sich lohnt, das Haus zu verlassen). Blättere durch einige Novitäten in der Bibliothek, die sich über meinen Beitrag sogar freut, weil ich ständig Strafgebühren für zu spät abgegebene Bücher bezahlen muss. Und danach surfe ich noch ein wenig auf Facebook. Ja, vermutlich habe ich für das alles heute noch Zeit. Aber nicht zum Stöbern in einer Indie-Buchhandlung.

Und warum? Weil ich keine kenne, die mich als Kunden verdient hat. Zumindest nicht bei mir vor Ort.

Linktipp zum Text: Diese 44 Thesen werden deine Sicht auf den Buchhandel verändern!

Ich möchte von euch wissen – kennt ihr eine Buchhandlung, die eurer Meinung nach vieles besser macht als die Konkurrenz? Und wenn nicht: wie sähe eure ideale Buchhandlung aus? Ich würde mich über eure Kommentare freuen!

Advertisements

4 Gedanken zu „9 Gründe, warum ich keine Buchhandlungen mehr brauche

  1. Lieber Marcus, zugegeben ich nicke nur in Teilen zustimmend, wie du dir sicher denken kannst, denn ich bin schließlich ein kleines Teilchen im stationären Buchhandel. Dennoch finde ich, dass der Tenor an etlichen Stellen deiner Thesen, wahr aber auch sehr polemisch ist. Das darf und müssen Thesen nun mal auch sein, das wusste schon Luther 🙂
    Als ich im BH auf der Filialfläche startete, trichterte mir man direkt in der ersten Verkaufschulung ein, im Dezember haben Sie keine Zeit den Kunden zum Regal zu bringen, in dem das gewünschte/gesuchte Buch steht. Das eben ist die Crux in Zeiten von Personalsparmaßnahmen und steigenden Un- und Nebenkosten für Geschäftsinhaber. Fakt ist: Ich glaube, jeder Kunde sollte gleich wichtig sein. Und er darf auch nicht spüren, dass in meinem Nacken in Wahrheit tausend andere wichtige Dinge darauf warten erledigt zu werden. Ich arbeite mittlerweile in einem familiären Betrieb, wo jeder Kunde die persönliche Beratung in Anspruch nehmen darf, die er möchte. Gleichzeitig darf aber auch jeder so lange Verweilen und in Büchern stöbern, wann immer er dazu die Lust verspürt. Ich finde es schade, dass dir diese Lust scheinbar in Zeiten digitalen Lesens vergangen ist. Ich glaube, das liegt nicht nur an den Dienstleistungen, die der BH anbietet oder nicht, denn die sind meiner Meinung nach, sogar zu selbstverständlich. Ich plädiere dafür, dass Leistung wieder honoriert wird. Und unsereins steht im Dezember in der Woche u U mehr als 40 Stunden im Laden um vor Öffnungszeiten Weihnachtsgeschenke für Kinder so im Abholfach zu verstecken, dass sie eine Überraschung bleiben. Wir besorgen dermaßen viele Titel über Nacht und andere widerum beim Verlag oder begeben uns auf die Suche nach vergriffenen Titeln, wo der Kunde ggf nur noch Bruchstücke in Erinnerung hat, was er wirklich für ein Buch sucht. Wir bilden uns privat durch exzessives Lesen daheim ohne Entgelt weiter und bemühen uns für jeden Geschmack, die richtige Lektüre zu finden. Wir packen sogar Pixis ein, am Ende sogar wenn es so viele sind wie der Adventskalender Türchen hat.
    Und warum? Um festzustellen, dass sich das Leseverhalten der jüngeren und mittleren Deutschen aus Bequemlichkeit verändert?
    Ja ein Reader ist praktisch, aber ich glaube und hoffe, es gibt noch Menschen, die das gute schöne Buch schätzen, die die bibliophil sind, so wie ich. Und ich freue mich über jeden Kunden, der aus diesem Grund in den Laden zu mir findet. Dem Kunden gilt meine ganze Aufmerksamkeit, denn es hat derzeit leider keinen Zweck als kleine BH in elektronisches Lesen zu investieren. Die Umsatzbeteiligung für Ebook-Formate ist dermaßen gering, dass am Ende sogar häufig Verluste statt Gewinne zu verzeichnen sind. Eben das hat leider in etlichen Gegenden zu Frustration und in Teilen sogar zu Schließung von BH geführt und es ist eine Schande, dass es in einem zivilisierten Deutschland für gebildete Menschen keine Anlaufstelle gibt, in der auch ein Leser wie eben Markus, der sogar über Branchenkenntnisse verfügt, zu der Aussage genötigt ist, er kenne keine BH die einen Besuch wert ist. Wirklich nicht? Wo hast du denn gesucht??? Ich wette, ich finde eine für dich, die auch erreichbar ist. Man muss sich nur auf den Weg machen und die Scheuklappen zu Hause lassen. Gerade in den kleinen versteckten Winkeln finden sich noch Läden, die eihnen echten Schatz an Büchern horten. Einen den es so in dieser Form vermutlich im Internet auch gar nicht geben wird.
    Ich finde Daniela Brösels Idee großartig, eigentlich hatte ich mir fest vorgenommen, zu Nikolaus auch in die Kasse meines Chefs zu zahlen, aber der Laden war so voll und es war so viel zu tun, das ich nicht dazu kam. Nun ja, Flashmob hin oder her, ich kann es zum GLück jeden Tag tun und hoffe dieses Privileg bleibt mir noch für lange Zeit erhalten.
    Es ist toll bei „Brösel“ zu lesen, dass es noch Leser gibt, die ein papiernes Format und ein gefülltes Regal mit viel Auswahl zu schätzen wissen und die sich sogar dafür einsetzen, dass es so bleibt. Das ist meine Hoffnung für den Zukunft des BH.
    Es muss einen Weg geben, dass stationärer Handel und Onlineversand sowie elektronisches Lesen einhergehen dürfen ohne in dem jeweiligen anderen den Teufel zu sehen, der einem das fette Stück des Umsatzkuchens wegschnappt. Die Bedingungen sind so unterschiedlich, dass Vergleiche schwerlich möglich sind. Hoffentlich wird das Bewusstsein des Endkunden eines Tages so weit sein, dass Riesen wie der Vesandhandel mit dem großen A für die deutsche Wirtschaft und die Einzelhandelslandschaft nur bedingt förderlich sind. Was die leisten, können die Kleinen nun mal nicht in diesem Umfang und trotzdem finde ich, wir BH schlagen uns ganz gut, was unseren Service angeht. Wir sollten uns auf eben diese Stärken besinnen und gemeinsam an einem Strang ziehen statt Schuldige zu suchen.
    Schade, dass die bröselige Idee bei Markus dann eher zu einer Anklage führte als zu einem gemeinschaftlichen Event, dass persönliche Beziehungen wieder neu aufleben lässt, wie die zwischen BH und Kunde/Leser, die zusammen über ihre Leidenschaft Bücher sprechen.

  2. Pingback: Und sonst so? Der Buchbranchen-Dezember im Überblick : πάντα ῥεῖ – Alles fließt.

  3. Ich schätze die Evangelische Buchhandlung http://www.lesewelt.info/ in Chemnitz. Da gibt’s viel mehr als Bücher und so schnell wie ich einen Freude bringenden Spontankauf bezahlt habe, geht es im Netz nicht. Außerdem finde ich ein Mindestmaß an attraktiven Läden in den Stadt mit lebendigen Menschen notwendig. Und für diese ‚zig Meter lange Schaufensterfront gäbe es keine Alternative. Auch das Bestellen per E-Mail geht ruckzuck. Und anonym, das ist das Wichtigste. Außer dem netten Buchhändler erfährt keiner, was ich gerade kaufe, so werden meine Datenspuren nicht noch damit angereichert.

  4. Lieber Marcus,

    vielen Dank für die sehr aufschlussreichen Feststellungen.

    Ja natürlich haben die Filialisten es mit den sog. Nonbooks übertrieben. Aber jede kleine Buchhandlung, die es bei uns noch gibt, sorgt Tag für Tag dafür, dass Menschen die Bücher wollen, diese auch noch bekommen. Jeder schreit immer mit Umweltschutz – der größte Onlinehändler liefert inzwischen viele seiner Bestellungen für den deutschsprachigen Raum aus polnischen und tschechischen Ländern aus. Hier für einen „Couchpotato“ wie Sie ja anscheinend gerne einer sind der Weg des Buches:

    Verlag in München schickt seine Daten an die Druckerei in Norddeutschland dort wird das Buch gedruckt.
    Dann per LKW nach Ostdeutschland zum Großhändler/zur Auslieferung.
    Von dort kommt es per LKW nach Polen oder Tschechien zum Versandhändler.
    Dieser liefert dann wieder per LKW in ein Versandzentrum nach Deutschland von dort Paketdienst zu Empfänger. Jetzt ist der Empfänger aber ja bei der Arbeit. 😦
    Also Paket wieder zurück in den Transporter, zur nächsten Postfiliale dort einlagern bis es abgeholt wird.
    Mist, der Kunde muss ja sich Abends nach getaner Arbeit noch zur Postfiliale, die bald schließt.
    Kommt dort an hat hoffentliche seine Abholkarte dabei und bekommt dann sein Päckchen.
    Jetzt ist aber versehentlich das falsche Buch gekommen (beim Onlinehändler arbeiten ja auch nur Menschen).
    Also das gleich Spiel zurück. Abends nach Feierabend in die Postfiliale, Packstück abgeben.
    Alles wieder rein in der LKW zum Versandzentrum von dort ins Ausland zum Händler.
    Dann ist das Buch beschädigt und wie Sie als gelernter Buchhändler ja wissen ein Mängelexemplar.
    Also führt der Weg weiter von Osteuropa zurück zum Auslieferer, weiter zum nächsten Grossisten für Mängelexemplare von dort wieder weiter zu Supermärkten, Baumärkten etc.

    Mitgezählt wieviel LKW Diesel verfahren, weil man zu bequem ist, in der Buchhandlung zu bestellen. Diese bekommen die Titel über Nacht vom Großhändler es fällt der ganze Spritverbrauch von Paketdiensten etc. weg.
    Fast jede Buchhandlung hat bereits einen Onlineshop wie rund um die Uhr bestellt werden kann – also nutzen Sie diese Möglichkeit und wenn keine Lust vorhanden ist, mit Menschen zu reden, lassen Sie sich das Buch halt auch schicken. Ach ja, ich habe vergessen – der Händler vor Ort ist ja nicht so trendy und cool und hat nur langweilige braun Kartons die nicht bedruckt sind. 😦 Die Nachbaren erkennen nicht auf den erste Blick wie trendy ich bin.

    Außerdem trägt eine Buchhandlung, genauso wie jedes andere Einzelhandelsgeschäft zur Belebung und zur Entwicklung der Innenstädte bei.

    Oder wollen Sie in Zukunft in „Geisterstädten“ leben wo kein Mensch mehr unterwegs ist? Ihren Kaffee können Sie dann in Zukunft auch zuhause trinken oder das Feierabendbier weil – wie sollen sich den diese noch in Städten halten können, wenn kein Mensch mehr in den Läden geht und die Innenstadt meidet, weil Offlineshopping ist ja so uncool.

    Wissen Sie, welches Bild mir gerade in den Kopf kommt, wenn ich über Ihre Zeilen nachdenke? Ich sehe aus dem Film Wall-E diese dicken, sich nicht mehr bewegenden Leute in dem Raumschiff, denen alles abgenommen wird und die sich so haben gehen lassen. Eine „super“ Vorstellung.

    Ich wünsche Ihnen einen guten Job in dem Sie nicht im Einzelhandel, der Gastronomie oder sonst in einem Dienstleistungsgewerbe arbeiten, da dieser bald wegfallen könnte mit Ihrer Theorie. Dann wer braucht schon noch Kunden und Gäste?

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s