Blinde Begegnung

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Warum katholische Kommunikation und soziale Kommunikation Feinde sein können, aber nicht müssen.

Heute ist Welttag der Sozialen Kommunikationsmittel. Auch wenn die Deutschen sich heraus nehmen, ihn für sich lieber auf den September zu verschieben, wird er in vielen Ländern der Erde heute begangen und sein Motto offiziell durch Papst Franziskus verkündet.

„Kommunikation im Dienst einer echten Kultur der Begegnung“ heißt er – scheinbar ein Hohn, bedenkt man die Auseinandersetzung der rechtskonservativen Kräfte mit dem Lehrplanentwurf in Baden-Württemberg. „Akzeptanz sexueller Vielfalt“ heißt eines der Ziele – vielen mag nicht einmal ein Grund einfallen, warum man da dagegen sein sollte. Bereits über 160.000 Menschen geht es offensichtlich anders, denn sie unterstützen die Petition von Daniel Philippi gegen einen Bildungsplan „unter der Ideologie des Regenbogens.“

Mit Argumenten wie der erhöhten Suizidrate bei homosexuellen Männern, dass Ehe und gleichgeschlechtliche Partnerschaften nicht als „gleich gut und sinnvoll“ anzusehen wären, die „Krankheit“ Transsexualität doch vielmehr zur Gesundheitserziehung gehöre und überhaupt: das Grundgesetz gäbe der LSBTTIQ-Gemeinde („Lesben, Schwule, Bisexuelle, Transsexuelle, Transgender, Intersexuelle und Queere Menschen“) gar nicht so viele Rechte, wie der Bildungsplan es gerne hätte.

Und die katholische Kirche unterstützt das? Nein. Zumindest nicht alle. Das Imageproblem dieser Weltkirche kommt von den lauten rechten Kräften und der trägen Masse erzkonservativer Mitglieder. Auf der anderen Seite der inneren Feindeslinie existieren liberale Kräfte innerhalb der Kirche. Die Diözese Freiburg stand zur grün-roten Landesregierung und begrüßt ihren Planentwurf – und wirkt damit auf den ersten Blick wie das gallische Dorf im Römischen Reich.

Die Begegnung fehlt also nicht zwischen einer modernen, offenen Gesellschaft und der rückschrittlichen katholischen Kirche. Sie fehlt vielmehr innerhalb der Gläubigen. Sie lächeln sich müde an, nehmen einander hin, ohne sich wirklich zu sehen. Die einen unterstützen liberale und emanzipative Kräfte in der Gesellschaft, die anderen stemmen sich mit aller Macht gegen sie. Eine „echte Kultur der Begegnung“ ist das nicht. Es ist nicht einmal ein Miteinanderkommunizieren. Eine „echte Kultur der Begegnung“ könnte dieser Institution, ihren Mitgliedern und ihrem Image so unglaublich gut tun. Fragt sich, ob das der Wunsch des Paternosters ist.

Offenheit, Transparenz und Dialog sind Werte, die hier entscheiden und die „weltlichen“ Kräfte bereits verstanden haben. Nicht Engstirnigkeit, Ignoranz und Propaganda.

Bild: messnerwirt.com. Bearbeitung: Marcus Jänecke.

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