Die Welt im Liebesrausch

Die Werbemaschinerie kurbelt schon Wochen vor dem „Tag der Liebe“ eine Welt der rosaroten Herzchen an, vor der es kein Entkommen gibt. Im Radio laufen ununterbrochen Liebesschnulzen. Und im Park küssen sich Pärchen. – Es ist Valentinstag.

Es scheint unaufhaltsam. Traditionen verändern sich und wenn Feste nicht mehr gesellschaftstauglich sind, ersetzen viele Bürger unserer modernen Gesellschaft diese oft, um „zeitgemäßer“ zu sein. Opfer gibt es viele. Weihnachten wird abseits der Krippe zur jährlichen Geschenkeparade und zu Ostern wird die Auferstehung von einer unbändigen Hasenhorde überrannt, die wider ihres natürlichen Verhaltens, die deutschen Gärten heimlich mit bunten Eiern bestücken.

Zugegeben, Valentinstag kann in Sachen Wichtigkeit nicht mit Feierlichkeiten wie Weihnachten oder Ostern konkurrieren, aber die künstliche Züchtung macht ihn zu einem Tag, den heutzutage nahezu jeder im Kalender stehen hat. Leider.

Was ist der Valentinstag?

Woher der Valentinstag ursprünglich herrührt, ist nicht ganz genau geklärt. Aus Überlieferungen geht die Benennung auf den Bischof Valentin von Terni zurück. Der lebte um 300 nach Christus im heutigen Italien und beschenkte viele Paare mit Rosen aus seinem Garten. An sich nichts Schlimmes, doch als er auch Vermählungen nach christlicher Tradition durchführte, kostete dies ihm wortwörtlich den Kopf. Die von ihm geschlossenen Ehen standen nach Überlieferungen unter einem guten Stern. Valentin selber hatte weniger Glück, denn da zu dieser Zeit das Christentum in Rom verboten war, ließ man ihn kurzerhand am 14. Februar 269 als Märtyrer enthaupten. Das Todesdatum wird heute als Valentinstag gefeiert. Ach ja, und heilig geschrieben wurde er auch noch. Einen Bischof, der Rosen verschenkt, gibt es schließlich nicht alle Tage.

Erfolgreiches Marketing

Foto: Jens Cramer

Gepuscht wurde der Valentinstag vor allem durch massive Werbung der Floristen und Süßwarenhändler in den 1950ern. Dieser geschickte Werbeschachzug lässt auch heute noch die Kassen jedes Jahr boomen. Die meisten Menschen hierzulande halten die Aufmerksamkeit für den Partner relativ klein. Ein Blumenstrauß hier, eine Schachtel Pralinen dort.

Übertreiben müssen es natürlich wieder die Amerikaner. Für die Teenager ist der Valentinstag ein Messinstrument ihrer Popularität. Sie schicken sich gegenseitig heimlich Liebesbotschaften zu und wer die meisten bekommt, ist somit der „Begehrteste“. Ein völlig abstruser Wettbewerb, da sich der Tag schließlich um die „eine“ Liebe  drehen sollte. Für die Erwachsenen ist es ein üppiger Geschenktag: Zu einem romantischen Essen gibt es Blumen und Schmuck, ein Kinobesuch, ein Baseballspiel oder ein kuschliger Besuch im Autokino. Je mehr desto besser, um dem Partner die Liebe zu beweisen.

Fazit

Dass sich die vielen Marionetten des Valentinstags „zwingen“ lassen, der/dem Geliebten etwas zu schenken, finde ich jedes Jahr ums Neue belustigend. Für mich ist das ist wie mit der Biernominierung: Ich lasse mir von niemanden vorschreiben, wann ich mein Bier zu trinken habe. Genauso schenke ich meinem Partner eine Aufmerksamkeit, wann ich möchte und lasse mich nicht durch einen künstlich herangezüchteten „Tag der Liebe“ bestimmen. Aber anscheinend brauchen das viele. Allem mehr oder minder Wichtigem reserviert man einen Platz. Ob nun Welttag des Radios, der Poesie, der Jogginghose oder eben Valentinstag: Das alles kommt schön der Reihe nach in meine Schublade „unnötig“.

Eine Meinung von Simon Grübler

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